Rachel Dübendorfer – der Flug vor Februar 46

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Rachel Dübendorfer - Warschau – Danzig – Berlin – Zurich – Genf – Paris – Berlin – Moskau – Kasan – Berlin

Am 21. Februar 1946 fliegen Rachel Dübendorfer und ihr Lebensgefährte Paul Böttcher von Berlin nach Moskau. Die Spionageabwehr SMERSCH verhaftet sie bei ihrer Ankunft und wirft ihnen Spionage für westliche Geheimdienste und Desinformation des Nachrichtendienstes der Roten Armee (GRU) vor. Beide gehörten während des Krieges zu der von Sandor Rado geleiteten GRU-Residentur in Genf, die in der Spionageliteratur als »Rote Drei« bezeichnet wird. Der Residentur gelang es, geheime militärische, ökonomische und politische Informationen aus den Schaltzentralen der Hitler-Diktatur zu beschaffen. Drei installierte Funkstationen übermittelten Tausende kriegswichtiger Informationen nach Moskau. Statt Anerkennung ihrer erfolgreichen Arbeit erwarten die »Kundschafter« demütigende Verhöre. Angesichts der schwerwiegenden absurden Anschuldigungen verliert Rachel den Verstand und wird zehn Jahre in der Kasaner Psychiatrie weggesperrt. Ein Sonderkollegium verurteilt den seit 1918 kriegsinvaliden Paul Böttcher im Februar 1947 zu zehn Jahren Arbeitslager. Er durchläuft 40 Lager und Gefängnisse, bis er 1956 entlassen und rehabilitiert wird.Geboren am 18. Juli 1900 in Warschau als Tochter russischjüdischer Einwanderer wächst Rachel Dübendorfer in Danzig in wohlhabenden Verhältnissen auf. Sie verlässt ihre Familie, wird 1919 in Leipzig Gründungsmitglied der KPD und heiratet 1921 den Jura-Studenten Peter Curt Caspary. 1922 kommt ihre Tochter Tamara zur Welt.

 Nach ihrer Scheidung arbeitet sie in der Berliner KPD Zentrale als Stenotypistin. Seit 1924 führt sie sporadisch Aufträge für die GRU aus, ab 1930 ist sie überwiegend nachrichtendienstlich tätig. Anfang 1933 flieht sie in die Schweiz, arbeitet im Internationalen Arbeitsamt und baut unter Leitung der GRU-Residentin Marija Poljakowa eine Gruppe für Rüstungsspionage auf, die sie ab 1937 unter dem Decknamen »Sissy« leitet. Ab Sommer 1940 wird ihre Residentur der von Sandor Rado unterstellt. Unabhängig davon hat sie Verbindungen zu dem deutschen Emigranten Rudolf Roessler, dessen Informanten Zugang zu höchsten Kreisen in Deutschland haben. Nach Anpeilung der Funkstationen und nach der Festnahme der Funker im Herbst 1943 geht Rado in den Untergrund, und Rachel Dübendorfer wird von Moskau zur Residentin bestimmt.

Die Schweizerische Bundespolizei nimmt sie im April 1944 fest und lässt sie später auf Kaution frei. Zusammen mit Paul Böttcher flieht sie nach Paris. Im Herbst 1945 werden beide von der GRU nach Berlin und im Februar 1946 »zur Berichterstattung« nach Moskau gebracht.

Nach zehn Jahren Isolierung in einem Kasaner Krankenhaus wird die psychisch erheblich gestörte Rachel Dübendorfer Anfang 1956 heimlich in die DDR abgeschoben. Dort kommt die nicht ansprechbare Frau sofort in psychiatrische Behandlung, gesundet bald, nachdem ihre in Paris lebende Tochter sie besucht hat. Sie wird 1956 rehabilitiert und erhalt eine hohe Rente.

Die sowjetische Regierung zeichnet sie 1969 mit dem Rotbanner-Orden aus. 1973 stirbt Rachel Dübendorfer in Ost-Berlin, Paul Böttcher 1975

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